Professor Dr. Harald Müller, Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung und Elvira Greiner, Vorsitzende der Andheri-Hilfe Bonn: „Weltmacht Indien – wie uns der rasante Aufstieg herausfordert“

Artikel vom 26.03.2007 im Onlineportal des Journal Frankfurt

Über eine Milliarde Menschen, Zersplittertheit in Sprachen und Kultur – kann man ein Land wie Indien überhaupt regieren. Man kann und es funktioniert gar nicht so schlecht: „Indien ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein armes Land zu einer Demokratie werden kann“, sagt Harald Müller, Professor an der Goethe-Universität und Leiter der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), die ihren Sitz ebenfalls in Frankfurt hat. „Weltmacht Indien – wie uns der rasante Aufstieg herausfordert“, so lautete gestern Abend die Aufgabenstellung für Müller (Foto) und Elvira Greiner, Vorsitzende der Entwicklungshilfeorganisation Andheri-Hilfe Bonn und vor einigen Monaten erst mit einem Fotografen aus Indien zurückgekehrt. Geladen waren sie von den Gesprächskreisen Montagsgesellschaft und Heiße Eisen e.V. Ein Abend, an dem deutlich wurde, mit was der Subkontinent zu kämpfen hat – und was den rasanten Aufstieg dämpfen könnte. Laut Harald Müller sind es die Krankheit Aids, die vor allem unter jungen Indern grassiere, die Umweltprobleme, die aus der Konzentration auf fossile Energieträger resultierten und der große Unterschied zwischen Arm und Reich, der in dem aufstrebenden Land nach wie vor herrsche. Anders als in China gehe in Indien das Wirtschaftswachstum jedoch „vom Kopf aus“ – also von den Bereichen Informatik und Biotechnologie. Dazu das aus der Kolonialzeit stammende verbreitete Englisch, das die unzähligen Landes- und Regionalsprachen überlagert. „Selbst manche Reden amerikanischer Senatoren werden in Indien geschrieben“, erzählt Müller. Indien, so war zu spüren, bewegt die Geister auch unter den etwa 100 durch und durch europäischen Zuhörern in der theologischen Hochschule Sankt Georgen. Es ging um Pakistan, um den Iran, um die USA, um die Weltmacht China, deutsches Unternehmertum und warum die Frauen die Zukunft nicht nur Indiens sein können. „Wenn wir übereinkommen, unser Gemeinwesen, so wie es einmal in den 50er-Jahren bestanden hat, konservieren zu glauben, dann müssen wir Angst haben. Aber nicht vor Indien, sondern vor uns selbst“, so Müllers Fazit. nil

Termin
26. März 2007, 00:00 Uhr
Veranstaltungsort
wird noch bekannt gegeben
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