„Mission Impossible? Krisenbekämpfung in Afghanistan“

Drei Erkenntnisse des Abends:

„Afghanistan?! War da nicht was?“ In den deutschen Medien wurde die Berichterstattung über Afghanistan in der letzten Zeit etwas in den Hintergrund gedrängt – zu viele andere (Krisen-)Nachrichten überlagern momentan die Agenda. Grund genug für die Montagsgesellschaft, sich diesem wichtigen Thema erneut anzunehmen und mit drei ausgewiesenen Afghanistan-Expert_innen über die aktuelle Lage am Hindukusch zu diskutieren: Der ehemalige Botschafter in Afghanistan Markus Potzel, Generalleutnant a.D. Walter Jertz sowie die Unternehmerin und gebürtige Afghanin Valentina Omarkhel gaben dabei den über 100 Mitgliedern und Gästen der Montagsgesellschaft und des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) erkenntnisreiche Einblicke in die aktuelle Situation eines Landes, das seit 40 Jahren keinen Frieden findet.

Erkenntnis #1: In vielen Teilen Afghanistans herrscht nach wie vor Krieg!

Die aktuelle Lage in Afghanistan ist besorgniserregend. Nach wie vor wird in vielen Teilen des Landes gekämpft, nach wie vor kommt es immer wieder zu Anschlägen. Ein Drittel der Fläche Afghanistans wird von den Taliban kontrolliert und auch der IS rückt immer wieder vor. Dazu schwache Staatsstrukturen, eine nicht funktionierende Regierung und überforderte afghanische Streitkräfte – all das wirkt sich natürlich sehr negativ auf die Sicherheitslage vor Ort aus. Die Diskussion um die Frage, ob Afghanistan als „sicheres Herkunftsland“ bezeichnet werden kann, wird durch diese Analyse im Grunde hinfällig.

Erkenntnis #2: Die Bilanz nach 15 Jahren deutschen Engagements in Afghanistan fällt zwiespältig aus!

Die Experten auf dem Podium waren sich einig: Das deutsche Engagement in Afghanistan war richtig und ist auch nach wie vor wichtig. Krisen müssten dort bekämpft werden, wo sie entstehen. Allerdings seien dabei auch viele Fehler gemacht worden. Einhellig wurde z.B. der Abzug der internationalen Truppen als viel zu früh kritisiert. Darüber hinaus habe es während des ganzen Einsatzes ein Dilemma gegeben, dass nicht wirklich gelöst werden konnte: Der Widerspruch zwischen Stabilisierungsmission und Kampfeinsatz. Selbstverständlich wollte man das Leben der Soldatinnen und Soldaten so gut wie möglich schützen – doch wer nur im geschlossenen Panzer durch die Gegend fährt, der kommt nicht in Kontakt mit der Bevölkerung und kann somit auch beim Wiederaufbau nicht wirklich helfen. 

Erkenntnis #3: Afghanistan muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen!

Nur die Afghanen selbst können ihr Land in eine gute Zukunft führen. Deutschland kann dabei unterstützen – mehr aber auch nicht. Trotz der vielen internationalen Parteien, die an diesem innerafghanischen Konflikt beteiligt sind und dort Stellvertreterkonflikte austragen (wie z.B. Pakistan und Indien, Saudi-Arabien und Iran, USA und Russland), sei Afghanistan selbst in der Verantwortung, endlich stärkere staatliche Strukturen aufzubauen und den Kampf gegen Korruption entschiedener zu führen. Auch am Schluss waren sich die Experten wieder einig: Der Weg in eine bessere Zukunft für Afghanistan ist steinig – es wird sehr lange dauern, bis sich aus der Kriegsgesellschaft eine Friedensgesellschaft entwickelt. Doch auch wenn momentan kaum Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, gaben sich die Podiumsteilnehmer alle optimistisch. Und das zu Recht: Denn nur mit dem Glauben an eine bessere Zukunft kann diese auch herbeigeführt werden.

Termin
30. Januar 2017, 19:30 Uhr
Veranstaltungsort
Grandhotel Hessischer Hof
Friedrich-Ebert-Anlage 40
60325 Frankfurt am Main
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