Christian Lindner zu Gast: Unternehmensgründungskultur in Deutschland: Go for it! – oder doch lieber die Finger davon lassen?

Drei Erkenntnisse des Abends:

Mittwoch statt Montag, 20 Uhr statt 18:30 Uhr, Deutsche Bank statt Hessischer Hof – einige Dinge waren am gestrigen Abend anders als sonst bei der Montagsgesellschaft. Der Grund dafür? Christian Lindner. Mit dem Bundesvorsitzenden der FDP war ein absoluter Stargast zu Besuch in Frankfurt. Und da Lindner in der heißen Phase des Wahlkampfes zeitlich stark eingespannt ist, zeigte man sich bei der Montagsgesellschaft flexibel und verzichtete auf den namensgebenden Wochentag. Abgesehen von diesen besonderen Umständen war jedoch ansonsten alles wie immer bei der Montagsgesellschaft: Volles Haus, ein spannendes Podium und kluge Fragen aus dem Publikum.

Das Thema des Abends: Die Unternehmensgründungskultur in Deutschland. Ein Thema, mit dem sich Christian Lindner als ehemaliger Gründer schon lange beschäftigt. Deshalb überraschte es kaum, dass Lindner tatsächlich während seines Vortrags strikt bei diesem Thema blieb und die Gelegenheit für eine allgemeinere Wahlkampfrede verstreichen ließ. Im Folgenden nun wie immer der gewagte Versuch, einen vollen Abend in nur drei Erkenntnissen zusammenzufassen:

Erkenntnis #1: Das Thema Unternehmensgründungskultur geht uns alle an!

Beim Thema Gründungskultur geht es nicht nur um wenige Gründer und ihre persönlichen Träume. Die Gründerdynamik ist allgemein von Bedeutung und Interesse für unsere gesamte Gesellschaft. Für Christian Lindner ist sie sogar eine der wichtigsten Indikatoren für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Wo sollen die Arbeitsplätze sonst herkommen, die durch die Digitalisierung verschwinden? Auch Kunden würden davon profitieren, wenn neue Unternehmen die alten Anbieter unter Druck setzen und so zu besseren Produkten zwingen. Für Lindner ist klar: Deutschland muss hier besser werden. Dass man nicht auf einer Augenhöhe mit den USA sei – geschenkt. Aber man müsse es doch schaffen, wenigstens die Niederlande zu überholen…

Erkenntnis #2: Um das Gründen zu erleichtern, muss an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden!

Drei Faktoren sind für Lindner dabei entscheidend:

I. Köpfe: Nicht nur BWLer sollten Lust haben, ein Unternehmen zu gründen. Auch beim Biochemiker oder Informatiker müsse man die Lust aufs Gründen wecken sowie die Freude am besten Produkt stärker vermitteln.

II. Kapital: Man spreche in der Diskussion um Startups immer nur von „Risikokapital“. Laut Lindner sollte man stattdessen eher von „Chancenkapital“ sprechen. Gerade deutsche Unternehmen müssten stärker in vielversprechende Startups investieren und dabei auch mal ein Risiko in Kauf nehmen. Auch ein Gründerstipendium zur Finanzierung der Lebenshaltungskosten im ersten Jahr hält Lindner für denkbar und hilfreich.

III. Kultur: Doch die wichtigste Reform sei eine Mentalitätsreform. Man sollte zwar keine „Kultur des Scheiterns“ fordern, sehr wohl aber eine „Kultur der zweiten Chance“. Zwar verändere sich die Mentalität in Deutschland diesbezüglich gerade ein wenig, es sei aber immer noch ein langer Weg zu gehen. Weniger Neid und Häme, mehr positiver Zuspruch und Unterstützung – das müsse das Ziel sein. Und das Beste: Dafür braucht man nicht auf eine Wahl warten. Jeder kann sofort bei sich anfangen!

Erkenntnis #3: Nicht nur reden, sondern machen!

So wichtig die (politischen) Diskussionen über die Voraussetzungen für Gründerinnen und Gründer in Deutschland auch sind: Am Ende liegt es am Mut und an der Leidenschaft eines jeden Einzelnen. Denn auch wenn die Bedingungen natürlich immer noch besser sein könnten, kann man in Deutschland sehr erfolgreich ein Unternehmen gründen. Das machten nicht zuletzt die vier inspirierenden Gründer deutlich, die in einem kurzen Gründertalk zu Beginn von ihren Erfahrungen berichteten. Vier Vorbilder, die Grund zur Hoffnung geben!

 

Am Gründertalk nahmen teil:

Stephanie Renda
Gründerin und Präsidiumsmitglied des Start-Up Verbandes

Dr. Alexander Bode
Gründer, Unternehmer, Dozent

Karim Mustaghni
Gründer, Investor & Künstler

Regina Graff
Konditormeisterin, Unternehmerin

 

 

 

Termin
06. September 2017, 20:00 Uhr
Veranstaltungsort
Deutsche Bank AG
Turm A - Forum 1&2
Taunusanlage 12
60325 Frankfurt am Main
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