Werte und Compliance in Unternehmen und Gesellschaft – Vielfalt als Erfolgsfaktor oder: Mission Impossible?

Die Erkenntnisse des Abends:

Ein Staat lebt von einem gemeinsamen Willen, der sich Tag für Tag neu bildet. Der wesentliche Unterschied zu einem multikulturellen international aufgestellten Unternehmen liege in der Komplexität der Zielsetzung der beiden „Systeme“: übergeordnet stehe bei einem Unternehmen die Gewinnerzielung im Vordergrund. Ein Wertesystem ließe sich dadurch ggf. besser etablieren, da Anreizsysteme dazu leichter einzuführen seien.

Auch für globale Marken seien die von ihr vertretenen Werte entscheidend. Werden die selbst gesetzten Wertesysteme wiederholt missachtet bzw. nicht eingehalten, ergebe sich dadurch auch ein Marktwertverlust – Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten würden an Vertrauen verlieren. Gerade Führungskräfte müssten daher die Wertekultur des Unternehmens strengstens einhalten, auch wenn dies manchmal schwerfalle und Zeit koste.

Der Staat lebe dagegen von einem Grundkonsens, der eine Vielzahl von Zielen abdecken muss. Zwar sei auch ein staatlicher Leistungsgedanke, etwa ein kompetitiver Föderalismus, wichtig um ein gesundes miteinander zu schaffen, jedoch nicht die oberste Priorität eines Staates. Die Umsetzung einer gemeinsamen Leitkultur nach einem unternehmerischen Vorbild erscheint deshalb besonders herausfordernd. Bestandteile einer solchen Leitkultur ließen sich im Grundgesetz finden und müssten auch zukünftig immer wieder eingefordert werden. Der kategorische Imperativ sei in seiner Einfachheit dafür ebenfalls ein übergeordneter Orientierungspunkt.

Insgesamt können Werte als das Leuchtfeuer des Handelns betrachtet werden, deren Einhaltung aber nur retrospektiv festzustellen sei. Dabei sind die Begriffe „Wert“ (Kategorie des Sollens), „Kultur“ (Kategorie des Seins) sowie „Compliance“ (Kategorie des Dürfens) als Einheit zu sehen, deren Bestandteile in einer ständigen Wechselwirkung stehen.

Es diskutierten:

Prof. Dr. Winfried Bausback MdL, Staatsminister der Justiz a.D., Freistaat Bayern

Jürgen Hahn, Vorstand Finanzen und Personal, Marc O' Polo AG

Thomas Kirchner, Founder and Managing Director, Workaround GmbH – ProGlove

Dr. Florian Lechner, Geschäftsführer, Equity Management GmbH

Dr. Claas Triebel, Autor zahlreicher Bücher, u.a. „Die Kunst des kooperativen Handelns“, Gründer und Geschäftsführer, Skimio GmbH, sowie ehem. Professor für Wirtschaftspsychologie, Hochschule für angewandtes Management Erding

Termin
26. November 2018, 19:30 Uhr
Veranstaltungsort
Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Rosenheimer Platz 4
81669 München
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