Digital Germany: Tech hub oder lahme Ente?

Drei Erkenntnisse des Abends:

Erkenntnis #1: Tech-Hubs entstehen nicht von heute auf morgen.

Tech-Hubs sind digitale Ökosysteme, bestehend aus den entsprechenden Bausteinen: diversifizierte Unternehmensstruktur, Universitäten sowie einer Infrastruktur, die digitale Strukturen fördert. Tech-Hubs entstehen nicht von heute auf morgen – sie müssen wachsen; ein langer Atem kann notwendig sein. Bei den bestehenden Deutschen Tech-Hubs (z.B. München) zeigt sich, dass mit Hilfe der historisch angestammten Industrie ein guter Nährboden für digitale Geschäftsfelder geschaffen wurde. Wir sollten uns daher auf unsere industrielle Basis konzentrieren und diese durch digitale Elemente ergänzen.  

Erkenntnis #2: Es müssen Anreize geschaffen werden, damit Unternehmen in skalierbare digitale Projekte investieren wollen.

Damit Deutschland im Kampf um die digitale Vorherrschaft konkurrenzfähig bleibt, müssen ordnungspolitische Maßnahmen getroffen werden, die skalierbare Projekte hinsichtlich digitalen Geschäftsfeldern ermöglichen – die Konzentration auf digitale Pilotprojekte alleine ermöglicht keinen Fortschritt. Wir scheinen in der Analyse brillant, jedoch in der Umsetzung zu langsam und unflexibel zu sein. Dazu bedarf es auch einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Industrie und den staatlichen Verwaltungsapparaten: es müssen Anreize geschaffen werden, damit Unternehmen in skalierbare digitale Projekte investieren wollen.

Erkenntnis #3: Ein Stück weit fehlt es Deutschland am positiven Bild des Unternehmertums.

Andere Länder wie China oder die USA investieren ein Vielfaches an Kapital in ihre digitalen Infrastrukturen im Vergleich zu Deutschland. Uns fehlt es dabei nicht zwingend an Kapital, sondern am notwendigen Unternehmertum und dem positiven Bild, den die Gesellschaft von einem Unternehmer haben könnte. Investitionen müssen daher vor allem in das Unternehmertum erfolgen sowie in talentierte Unternehmerpersönlichkeiten, die es verstehen mit einer gewissen Einfachheit und ohne eine Überbewertung von Risiken ihre Geschäftsaktivitäten voranzutreiben. Ein lebendiger Venture-Capital-Markt sowie ein vorhandener Exit-Markt könnten darüber hinaus eine positivere Startup-Kultur begünstigen.

Es diskutierten:

Prof. Dr. Alois C. Knoll, Professor für Robotik, Künstliche Intelligenz und Echtzeitsysteme, TU München

Dr. Norbert Lütke-Entrup, Head of Technology and Innovation Management, Siemens AG

Dr. Alexander Börsch, Chefökonom und Leiter Research, Deloitte Deutschland

Christian Gärtner, Geschäftsführer, Urban Standards GmbH

Termin
18. Februar 2019, 19:30 Uhr
Veranstaltungsort
Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Rosenheimer Platz 4
81669 München
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