Med-Tech, Legal-Tech, Insurance-Tech – die Veränderung unserer Arbeitswelt in Zeiten des digitalen Wandels: Panikmache oder logische Konsequenz?

Drei Erkenntnisse des Abends:

Erkenntnis #1: Damit neue datengetriebene Technologien (z.B. Künstliche Intelligenz) flächendeckend in den klassischen Berufsfeldern ankommen, bedarf es einer ebenso flächendeckenden Standardisierung von Prozessen innerhalb der Unternehmen. Klassische Branchen, wie die rechtsberatenden Berufe, befinden sich aktuell in einer Übergangsphase: einfache, wiederkehrende Arbeiten werden standardisiert, damit diese zukünftig von mehr oder weniger intelligenten Tools bearbeitet bzw. so vorbereitet werden können, dass die Arbeiten auch von Nicht-Juristen, Nicht-Steuerberatern, Nicht-Wirtschaftsprüfern abgeschlossen werden können. Bei den Medizinern wird sich zukünftig mehr und mehr eine Funktionstrennung vollziehen: durch neue Technologien wird die Entscheidungsfindung für Behandlungskonzepte automatisiert; menschliche Fehlentscheidungen können so minimiert werden. Gleichzeitig sind höhere kommunikative Fähigkeiten für die Beziehung zwischen dem behandelnden Arzt und dem Patienten gefragt.

Erkenntnis #2: Für klassische Dienstleistungsbranchen wird die zunehmende Digitalisierung eine Arbeitserleichterung bedeuten. Der Fokus wird sich vermehrt auf die komplexeren Tätigkeitsfelder konzentrieren, die Qualität der angebotenen Leistungen steigt. Gleichzeitig existiert bereits jetzt auf Kundenseite eine gewisse Erwartungshaltung, dass Dienstleistungen schneller und besser durchgeführt werden können. Dienstleister stehen vor einem Innovationszwang. Auftraggeber, Kunden und Konkurrenten nutzen die zunehmende Automatisierung auch zur Erzeugung eines Preisdrucks: Konkurrenten, die sich frühzeitig digital positionieren, können Arbeiten effektiver und dadurch ggf. günstiger anbieten, Kunden nutzen die aktuelle Entwicklung die anfallenden Stunden von Beratern und Rechtsanwälten zu reduzieren. Klassische Modelle der Beratungsbranche „viele belastbare Stunden führen zu höheren Honoraren“ stehen auf dem Prüfstand. Innovative Tools werden hier auf Kundenseite als zeitsparender Faktor angeführt.

Erkenntnis #3: Die Entwicklung für den Arbeitsmarkt ist bisher von keinem Experten vorhersehbar: welche Jobs zukünftig wegfallen werden, ist nicht abschätzbar. Ein gewisser Konsens besteht hinsichtlich der zukünftigen Job-Profile: Qualifikationsanforderungen werden steigen. Die neu entstehenden Arbeitsplätze werden keine Einfachen sein. Hochqualifizierte Arbeitnehmer sind, vor allem im MINT-Bereich, mehr denn je gefragt. Fraglich wird sein, ob die Schere zwischen wenigen hochqualifizierten Arbeitnehmern und vielen Niedriglohnempfängern zunehmen wird und wie diese Herausforderung bewältigt wird, ohne dass es zu einem Bruch in der Gesellschaft kommt. Diesbezüglich sind die bewährten Ausbildungswege zu hinterfragen – eine neue bildungspolitische Gewichtung hin zu einer stärkeren Förderung der Informationstechnologien könnte notwendig werden.

Es diskutierten:

Prof. Dr. Stephan Kaiser, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Personalmanagement und Organisation, Universität der Bundeswehr München

Dr. Julian Sonksen, R&D Manager – Smart Technologies, B. Braun Melsungen AG

Andrea Martschink, Strategy and Business Development Robotics, Siemens AG

Dr. Jochen Brandhoff, Veranstalter, LEGAL ®EVOLUTION Expo & Congress

Elisabeth Pichler, Rechtsanwältin, Allen & Overy LLP

Korbinian Kan­ten­wein, Rechtsanwalt, Legal Tech Innovation Manager, Mazars Rechts­an­walts­ge­sell­schaft GmbH

Termin
13. Mai 2019, 19:30 Uhr
Veranstaltungsort
Deutsche Bank
Promenadeplatz 15
80333 München
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