Seitenwechsel: Der Blick über den Tellerrand – Gute Idee oder doch lieber die Finger davon lassen?

Die Erkenntnisse des Abends:

Gerhard Schröder, Ronald Pofalla, Roland Koch und jüngst auch Sigmar Gabriel – wenn Politiker in die Privatwirtschaft gehen, sorgt das regelmäßig für Diskussionsstoff. Andererseits ist es doch ein verlockender Gedanke: Politiker wechseln in die Wirtschaft, Wirtschaftsmanager wechseln in die Politik und können ihre Erfahrungen jeweils nutzbringend einsetzen. 

Bereits im Studium zeichnen sich erste Weichenstellungen ab: Betriebswirtschaft und Ingenieurswesen einerseits, Politikwissenschaft und Soziologie andererseits. Der Berufseinstieg erfolgt bei Beratern und in Konzernen einerseits – in der Politik bei einem Think Tank oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter andererseits. Manager und Politiker werden entsprechend unterschiedlich sozialisiert: Der eine wird an Leistung, meist an objektiven Zahlen gemessen. Der andere stellt sich deutlich subjektiven Faktoren wie Zeiteinsatz, Empathie und dem Sammeln von Mehrheiten.

Neben der gesellschaftlichen Diskussion darum, wie viel Nähe zwischen Politik und Wirtschaft denn nun gut sei, begrüßten die Podiumsteilnehmer grundsätzlich ein höheres Maß an Interdisziplinarität in Bildung und Berufsleben. Gerade Unternehmer bzw. Unternehmensinhaber sind in der Politik unterrepräsentiert. Sowohl im Bundestag als auch in den Landesparlamenten gibt es zwar zahlreiche Vertreter aus der Wirtschaft, eigenverantwortliche Unternehmer findet man dagegen selten. 

Zugleich muss die Wirtschaft, also alle privaten Unternehmen, aber auch dafür sorgen, dass Arbeitnehmer sich politisch engagieren können - bestenfalls  sogar während der Arbeitszeit. Die Übernahme von politischer Verantwortung ist ein Dienst an der Gesellschaft und somit immer auch ein Dienst am Unternehmen.


Es diskutierten:

Florian Rentsch, Vorstandsvorsitzender, Verband der Sparda-Banken e.V., Staatsminister a.D., Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung

Thomas Sattelberger MdB, Fachpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für Innovation, Bildung und Forschung, ehem. Vorstand, Deutsche Telekom AG

Thomas Sonntag, Gründer und Geschäftsführer, Sonntag Corporate Finance GmbH, studierter Historiker

Termin
27. Januar 2020, 19:30 Uhr
Veranstaltungsort
Verband der Sparda-Banken e.V.
Tower 185 - 17. Etage
Friedrich-Ebert-Anlage 35-37
60327 Frankfurt am Main
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