„Kaufen Sie sich ein Gewissen!“: Gesellschaftliche Verantwortung oder raffiniertes Marketing - Gibt es anständige Unternehmen?

Drei Erkenntnisse des Abends:

Erkenntnis #1: CSR ist eng mit der Unternehmenskultur und den Mitarbeitern verknüpft.

Unternehmen müssen sich anständig verhalten – gegenüber ihren Kunden und Lieferanten, der Gesellschaft und vor allem ihren Mitarbeitern. Die dringend gesuchten Fachkräfte und qualifizierten Mitarbeiter werden sonst woanders Arbeit suchen und diejenigen Unternehmen verlassen, die eine schlechte Unternehmenskultur, einen mangelhaften Wertekodex und ungenügende Moralvorstellungen haben. Fragwürdige Blue- oder Greenwashing-Strategien sind Teil der Unternehmenskultur!

Erkenntnis #2: Unternehmen müssen auch mal Widersprüche zulassen.

Unternehmen, die CSR hauptsächlich zu Marketing-Zwecken z.B. an eine vorgelagerte Stiftung outsourcen, sorgen kaum für einen Identifikationseffekt mit sozialem Engagement oder Nachhaltigkeit. In einer zunehmend komplexer werdenden digitalen Welt, entgleitet vielen Unternehmen so die Transparenz – in der Folge fehlt es an Ehrlichkeit und Verantwortung. Mitarbeiter und Kunden sehnen sich angesichts der Komplexität heute aber nach mehr Transparenz, mehr Sinnhaftigkeit. Eine offenere Kommunikation könnte helfen: Unternehmen könnten gelegentlich auch mal Widersprüche zulassen, um das ethische Bewusstsein und kritisches Denken zu befördern.

Erkenntnis #3: Soziales Engagement muss ins operative Geschäft!

Als nachhaltig und sozial werden tendenziell jene Unternehmen wahrgenommen, die gerade keine Stiftung gründen, sondern ihr soziales Engagement ins operative Geschäft integrieren. Als Vorbild für Deutschland könnte eine neu geschaffene Rechtsform für Unternehmen in den USA dienen: Benefit Corporations (B-corporations) schaffen dort einen rechtlichen Rahmen für die Vereinbarkeit von profitgetriebenem Geschäft und Corporate Social Responsibility.


Es diskutierten:

Prof. Dr. Yvonne Thorhauer, Professorin für Wirtschaftsethik, Head of Research,  accadis Hochschule Bad Homburg, sowie Dozentin für Wirtschafts- und Unternehmensethik, Goethe-Universität Frankfurt

Dr. Martin Kasper, Vorstand, Stiftung Childaid Network

Klaus Fasold, Geschäftsführer, Keep the World Foundation Gemeinnützige Stiftungsgesellschaft mbH

Prof. Dr. Laura Claus, Assistant Professor for Strategy & Entrepreneurship, University College London (UCL), sowie Fellow at the Centre for Social Innovation, University of Cambridge

Moderation: Arno Brandscheid, Geschäftsführer, Einhorn Gesellschaft für Management & Beratung mbH

Termin
29. April 2019, 19:30 Uhr
Veranstaltungsort
WeWork
Taunusanlage 8
60329 Frankfurt am Main
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