Senioren-Talk: Boomtown Frankfurt – jung, dynamisch, agil. Aber keine Heimat mehr für die Generation 60+?

Drei Erkenntnisse des Abends:

Wir alle freuen uns über die gestiegene Lebenserwartung und dass die Menschen heute länger fit bleiben. Doch der Eindruck bleibt, dass das Leben im Alter heute schwieriger ist als früher.

Bis ins Jahr 2004 sind die Renten in den alten Bundesländern kontinuierlich gestiegen, danach allerdings stetig gesunken. Der Begriff „Altersarmut“ hielt Einzug in den deutschen Sprachgebrauch. Hinzu kommen die deutlich gestiegenen Kosten für Wohnraum – gerade in Metropolen wie Frankfurt.

Eingeladen in den Veranstaltungssaal der Frankfurter Sparkasse diskutierte die Montagsgesellschaft mit ihren Mitgliedern und Gästen, wie es um die Lebensbedingungen der Frankfurter Senioren eigentlich bestellt ist.

Erkenntnis #1: Wohnen und Mobilität sind die vordringlichsten Themen für Frankfurts Senioren.

Kein Wunder, dass angesichts der seit Jahren steigenden Preise am Immobilienmarkt genau beim Thema Wohnen ein Fokus der anwesenden Podiumsteilnehmer und Gäste lag. Neben der anhaltenden Problematik auf dem Wohnungsmarkt, stach aber auch das Thema Mobilität hervor: Besonders die wenig mobile Altersgruppe über 85 Jahre hat spezielle Anforderungen an den ÖPNV und somit an die Stadtplanung.

Erkenntnis #2: Bei der Stadtentwicklung müssen alle Generationen berücksichtigt werden.

Frankfurt ist als dynamische Bankenmetropole für junge Menschen mit großen Ambitionen eine Top-Adresse in Deutschland. Die Mainmetropole wächst jährlich um 2-3 Prozent und hat den niedrigsten Altersdurchschnitt aller hessischen Gemeinden. Und doch sind 17 Prozent der Frankfurter, also über 120.000 Personen, älter als 65 Jahre. Diese Alterskohorte muss in der Stadtentwicklung repräsentiert werden. Die besonderen Bedürfnisse, z.B. bei der Nutzung des ÖPNV, müssen in einer „boomenden Stadt“ ebenso Gehör finden, wie die Forderungen nach mehr Wohnraum.

Erkenntnis #3: Frankfurt steht vor Herausforderungen und ist zugleich eine schöne Stadt für Senioren!

Wie nahezu alle Städte hat auch Frankfurt ein Bündel an Aufgaben zu lösen. Dennoch sollten auch die vielen positiven Aspekte für die Generation 60+ herausgestellt werden: So bietet Frankfurt mit seiner ausgeprägten Kulturlandschaft zahlreiche Freizeit-Möglichkeiten für die ältere Generation. Daneben verfügt Frankfurt über eine hohe Arztdichte und auch die neuere Preisgestaltung im ÖPNV („65-plus-Fahrkarte“) ist positiv zu bewerten.

Neben all diesen Komponenten, da waren sich die Teilnehmer einig, darf aber auch die emotionale, persönliche Seite der Menschen nicht vergessen werden: Alte Menschen sind grundsätzlich einsamer, sie haben Verluste hinnehmen müssen, rund 50 Prozent der Senioren lebt alleine. Emotionale Verbesserungen erreicht man nicht mit Gesetzen oder politischen Forderungen, sondern vornehmlich durch persönlichen Einsatz und Empathie gegenüber älteren Mitmenschen.
     

Es diskutierten:

Erika Pfreundschuh, Kreisvorsitzende, Senioren-Union Frankfurt am Main

Dr. Renate H. Sterzel, Vorsitzende, Seniorenbeirat Frankfurt am Main 

Uwe-Matthias Müller, Geschäftsführender Vorstand, Bundesverband Initiative 50Plus e.V.

Friedrich Thiele, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Leibrenten Grundbesitz AG

Arno Brandscheid, Landesgeschäftsstellenleiter, DGS Deutsche Gesellschaft für Seniorenberatung e.V. (Moderation)

Termin
25. Februar 2019, 19:30 Uhr
Veranstaltungsort
Frankfurter Sparkasse
Vortragssaal im 2. OG
Neue Mainzer Straße 49
60311 Frankfurt am Main
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